Ein vielfältiges Leben für die Menschen

Alt-Propst Dr. Josef Reuter (c) Wolfgang Kaiser
Datum:
13. Juli 2021
Von:
Propst Dr. Thomas Eicker

Als Dr. Josef Reuter im März 2003 als Propst von Kempen verabschiedet wurde, durfte er auf eine lange und erfüllte Zeit in der Thomasstadt zurückblicken. Viele Akzente hatte der am 14. September 1936 in Venwegen bei Stolberg geborene und am 9. März 1963 im Aachener Dom zum Priester geweihte gesetzt. 27 Jahre lang hatte er die Kempener Kirchengeschichte mitgeprägt und bleibende Spuren hinterlassen. Als Seelsorger war er ein gefragter Gesprächspartner, mit seinem biblischen Wissen bereicherte er viele Bibelkreise und mit einem weiten ökumenischen Herzen förderte er das Aufeinanderzugehen der christlichen Konfessionen in der Stadt.  

Erbe des Thomas von Kempen

Das geistliche Erbe des Mystikers Thomas von Kempen, der mit seinen Schriften seine Heimatstadt in der ganzen Welt bekannt gemacht hat, vermochte Dr. Reuter wieder für den Alltag der Menschen zu erschließen und fruchtbar zu machen. Mit der Gründung des Thomasvereins suchte und fand Josef Reuter Verbündete, die dieses spirituelle Erbe für die Zukunft bewahren möchten. Auch bei der Gründung des Thomasarchivs, das die Werke des Mönches in ihrer Vielfalt sammelt, wirkte Reuter entscheidend mit.
Sein fundiertes geschichtliches Wissen und seine Neugierde auf Unerforschtes erwiesen sich für die Stadt Kempen und die Propsteigemeinde als Segen.  Mit der ihm eigenen Akribie und einem ausgeprägten Ordnungssinn gab er dem Propsteiarchiv, das zu den bedeutendsten Pfarrarchiven am Niederrhein zählt, wieder eine Struktur und Nutzbarkeit. Früchte dieser Arbeit sind zahlreiche Kleinschriften, die anschaulich und informativ sich mit der Geschichte Kempener Einrichtungen und Gebäude beschäftigen. 

Kenner christlicher Kunst 

Als Kenner christlicher Kunst wusste er sich besonders dem Erhalt und der Pflege der Propsteikirche und ihrer zahlreichen Kunstwerke verpflichtet. Bei der Generalsanierung der Kirche sorgte er für ein gelungenes ästhetisches Konzept, das noch heute die zahlreichen Besucherinnen und Besucher beeindruckt. Durch die Anwerbung großzügiger Spenden wusste er zudem die Verbindung  der Kempener Bevölkerung „zu ihrem Dom“ zu intensivieren. Auch bei der Neukonzeptionierung der Christ-König-Kirche wirkte er gestalterisch mit. Durch zahlreiche erzählerische und bildhafte Darstellungen wird der christliche Glaube hier in Bildern und Plastiken zeitgemäß ausgedrückt. Reuters didaktischer Ansatz kam hier zum Ausdruck: schon als Pädagoge hatte er von 1967 bis 1976 das Bischöfliche Studienheim St. Albert in Dülken geleitet und junge Menschen mit einer christlich geprägten Erziehung gefördert.
Die bei seinem Dienstantritt ungenutzte Kempener Paterskirche konnte Reuter in enger Zusammenarbeit mit der Stadt wieder zu dem machen, was sie heute noch ist: Ausstellungsort des Niederrheinischen Museums für Sakralkunst sowie gern aufgesuchter Raum für anspruchsvolle Konzerte.

Mit-Vorsitzender der Hospitalstiftung

Während seiner Amtszeit lenkte er als Mit-Vorsitzender der Hospitalstiftung die Geschicke des Krankenhauses in teilweise stürmischen Zeiten, erlebte die Erweiterung des von-Broichhausen-Stiftes um das Haus Thomas sowie den Neubau des St. Peter-Stiftes. Seine großen Verdienste für die Stadt Kempen würdigte der Stadtrat mit der Verleihung des Bürgerpreises.
Sein Lebensmotto spiegelte sich in seinem Primizspruch aus dem Korintherbrief (2 Kor 4, 5) wider: „Nicht uns selbst verkünden wir, sondern Christus Jesus als den Herrn, uns aber als Eure Diener um Jesu willen.“ Der Dienst am Nächsten, besonders an den Bedürftigen und Armen, stellte Josef Reuter immer wieder in das Zentrum christlichen Handelns. Vieles geschah im Verborgenen und im Blick auf die Not Einzelner oder von Familien. Die Aufnahme und Integration von geflüchteten Menschen aus Osteuropa und aus Vietnam sowie die Beherbergung von Menschen ohne Obdach war Schwerpunkt der von ihm geförderten Caritasarbeit. Entwicklungsprojekte in Indien und in Brasilien sorgten für eine weltweite Hilfe, die ein menschliches Angesicht behielt. Nicht zuletzt die Weiterentwicklung des St. Annenhofes, in dem Kinder und Jugendliche eine Heimat und Förderung bekommen, begleitete Josef Reuter mit Rat und Tat.

Rückblick auf ein erfülltes Leben

Nach seiner Pensionierung lebte er sieben Jahre lang in seiner Heimat Venwegen und wirkte dort als Subsidiar im Pfarrverbund mit. 2010 kehrte er wieder in sein geliebtes Kempen zurück, feierte hier mit vielen Weggefährten 2013 sein goldenes Priesterjubiläum und gestaltete seinen Lebensabend. Jetzt mit mehr Zeit für sein Hobby der Gartengestaltung, des Reisens oder des Lesens. Immer half er gerne mit priesterlichen Diensten aus, solange es seine Kräfte zuließen. Am 13. Juli verstarb er nun im Vertrauen auf den Himmel wie Gott ihn schenkt im Alter von 84 Jahren. Bis zuletzt war er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte und hielt mit seinen Besuchern immer wieder einen Rückblick auf sein erfülltes Leben. „Ich bin dankbar für ein schönes Leben. Viele liebe Menschen haben mich begleitet.“ So äußerte er sich noch vor wenigen Tagen mir, seinem Nachfolger, gegenüber. Ich konnte ihm - wohl auch im Namen vieler aus Kempen und seines großen Freundeskreises im ganzen Bistum Aachen - antworten: Ja, und auch wir sind Dir, lieber Josef, dankbar für so Vieles und für Deine Begleitung unseres Lebens.

 

Totengebet und Auferstehungsamt finden am Dienstag, 20. Juli 2021, um 18 Uhr in der Kempener Propsteikirche statt. Eine Anmeldung ist nicht mehr möglich. Daher überträgt die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt das Auferstehungsamt auch online. Der Link dazu folgt in den nächsten Tag auf dieser Homepage. Einer Übertragung kann man zur gleichen Zeit in der Kirche Christ-König folgen (Anmeldung über den Link unten). 
Am darauffolgenden Tag, Mittwoch, 21. Juli 2021, findet die Beisetzung um 11 Uhr auf dem Friedhof in Stolberg-Venwegen statt. 
Anstelle von Kranz- oder Blumenspenden ist es im Sinn des Verstorbenen, das Partnerschaftsprojekt der Propsteigemeinde Pedro Segundo in Brasilien (KKG St. Marien DE 33 3205 0000 0000 9115 45 , Stichwort „Beerdigung Propst Reuter“) mit einer Spende zu unterstützen.