Vierzig Mal zu Fuß nach Trier zum Apostelgrab des hl. Matthias

Pilgern nach Trier (c) St. Matthias-Bruderschaft Kempen
Datum:
13. Januar 2023
Von:
Walter Simon

Mein Name ist Walter Simon. Ich wohne in Kempen. In diesem Jahr war ich zum vierzigsten Mal mit der St. Matthias Bruderschaft Kempen zur Wallfahrt nach Trier unterwegs.

Der Apostel Matthias ist in Deutschland für Christen ein besonderer Heiliger. Er ist der einzige Apostel, der nördlich der Alpen begraben ist, in Trier an der Mosel. Er gehörte zu den engsten Begleitern Jesu, aber gehörte zunächst nicht zu den Aposteln. Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt. Er ist im 1. Jahrhundert geboren und mit 63 Jahren in Äthiopien gestorben.

In der Apostelgeschichte 1,23 steht geschrieben:

Und diese stellten zwei Männer auf, Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus und Matthias. Dann beteten sie……dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.

Matthias ist der Patron des Bistums Trier. Er ist Patron der Handwerker, der Zimmerleute, der Schreiner und Schmiede. Durch die Kaiserin Helena wurde zu Beginn des 4. Jahrhunderts ein Teil seiner Reliquien nach Trier gebracht. Sein Grab ist seit 1127 in der Basilika der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Sein Festtag, Namenstag, ist der 24. Februar.

Vor über 550 Jahren machten sich Bauern aus Kempen auf den Weg nach Trier zum Grab des Heiligen. In späteren Jahren geriet die Matthiaswallfahrt immer mehr in Vergessenheit. Ende der 1970er Jahre hat der damalige Pfarrer von Christ König, Hans Vratz, die Trierwallfahrt wiederentdeckt.

1980 begaben sich ab Dasburg/Eifel 15 Kempener Pilger auf Wallfahrt nach Trier. Donnerstags, Christi Himmelfahrt, ging es los für 3 Tage, jeweils 30 km. Also waren wir samstags nachmittags in Trier.

Am 10.4.1981 wurde dann im Pfarrhaus von Christ König von Pfarrer Vratz mit 10 Pilgern die St. Matthias Bruderschaft neu gegründet. Im gleichen Jahr wurde die Kempener Bruderschaft in Trier in die Erzbruderschaft des Hl. Matthias aufgenommen. Danach begann die Wallfahrt in Kempen. Im Jahre 2004 haben wir eine Matthiaskapelle in der Stiegerheide gebaut, somit begann dann die Wallfahrt immer an dieser Kapelle.

Warum gehen die Pilgerinnen und Pilger zu Fuß vom Niederrhein quer durch die Eifel auf alten Pilgerwegen zum Grab des Hl. Aposteln Matthias nach Trier? Sicher, Matthias ist ein „prominenter“ Heiliger, er war ein Wegbegleiter Jesu. Aber dafür allein nehmen wir sicherlich nicht bis zu 300 Kilometer Fußweg auf uns.

In Matthias, so erklären es die Patres der Abtei, erscheint die Treue Gottes. Wer zu Matthias pilgert, ehrt den Apostel, er dankt aber auch Gott für die Erfahrung der Treue im eigenen Leben. Diese Erfahrung, oder die Sehnsucht danach, ist meiner Meinung stark genug, den beschwerlichen Fußweg zu gehen. Eine Antwort hierzu finden wir auch in dem Psalm 121.

Der Psalm beginnt so wie auch die Fußwallfahrt beginnt:
„Ich erhebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe ist im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lässt deinen Fuß nicht wanken“.

Der Psalm spricht vom langen und schweren Weg. Ich denke viele Pilgerinnen und Pilger können diesem Psalm sehr gut nachvollziehen. Wir können auf unseren Körper hören. Wir können im gemeinsamen Gehen viel Gemeinsamkeit erfahren. Manche lernen sich auf dem Weg ganz neu kennen.

Bei der Vorbereitung zu diesem Pfarrbrief habe ich in meinen Unterlagen einen wunderbaren Text gefunden. Diesen Text hatten Jugendliche vor vielen Jahren dabei.

Wir müssen den Weg der Gewalt verlassen,

den Weg von Blut und Tränen,

den alten, von Generationen ausgetretenen Weg,

den Weg des Glaubens an die Macht,

an den Besitz und an das Recht der Stärkeren.

Wir müssen lange Wege gehen

den Weg der Menschlichkeit unter den Menschen,

den Weg zum Licht durch die Nacht

den langen Weg der Liebe,

damit die Freude am Leben aufblüht

wie ein farbiger Regenbogen am Himmel unseres Dorfes, das Erde heißt.

Heiliger Apostel Matthias, Mann Gottes, bitte für uns.

Jede Pilgerin und jeder Pilger erhält zu Beginn der Wallfahrt ein Büchlein über die Gestaltung der Wallfahrt mit allen Daten, die für diese Woche wichtig sind. Auch der tägliche Weg ist genau aufgezeigt.

In all den vierzig Jahren erlebte ich immer wieder eine wunderbare und segensreiche Wallfahrt. Hoffentlich kann ich noch lange mitpilgern.

Schließen möchte ich mit folgendem Text:

„Wer schon einmal eine Wallfahrt mitgemacht hat, weiß? Der Heimweg ist der schwierigste Teil. Nicht, weil die Füße immer schwerer werden, sondern weil man in einen Alltag zurückkehrt, der so wenig kennt von dem Heil, das man erfahren hat.“

Lust mitzupilgern? Der Anmeldeschluss für die diesjährige Wallfahrt vom  13. bis 21. Mai ist 6. Februar. Kontakt: Georg Alsdorf,  Tel. 02152 204604 und  Ralph Hövel, Tel. 02152 4214.