Fünfter Fastensonntag

Wir beginnen mit dem Kreuzzeichen:

Wir sind versammelt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gott, der wie ein guter Vater, eine liebende Mutter für uns sorgt, Jesus Christus, der uns Gottes Liebe vorgelebt hat und der Heilige Geist, der uns zusammenführt ist mitten unter uns.

Sonne der Gerechtigkeit

Sonne der Gerechtigkeit

Impuls: Liebe entdecken (Vera Krause / Eva-Maria Rüdiger)

beten (c) www.pixabay.com

Den Schmerz mitfühlen, den ich nicht erleide.

Die Not lindern, die nicht mich peinigt.

Den Hunger stillen, der nicht mich auszehrt.

Das Unrecht herausschreien, das nicht mir widerfährt.

Die Lasten mittragen, die nicht auf meine Schultern drücken.

Die Wege ebnen, deren Steine nicht mich zu Fall bringen.

Die Wunden verbinden, die nicht mich schmerzen.

Den Krieg verweigern, der nicht meine Heimat trifft.

Die Freiheit schützen, die nicht mir genommen wird.

Die Hoffnung schenken, auch wenn ich dich nie kennen lernen werde.

Den Glauben teilen, auch wenn dein Gott einen anderen Namen trägt.

Die Liebe entdecken, durch die wir die Welt verändern können

 

Nicht mir, sondern dir.

Auch dem Mensch vom anderen Ende der Welt.

Lesung aus dem Buch Ezechiel

Wer sehnt sich nicht nach einer Verheißung, die Zukunft zusagt?

Wer möchte nicht grundsätzlich anders werden, anders sein – am Ende besser sein?

Nur einer kann Garant für eine erfüllte Verheißung und Wandlung sein.

Das machten die Propheten immer wieder deutlich.

Verstehen wir also diese alte Botschaft des Propheten als neue Zusage, die Gott uns durch sie zusagen will.

Die Auferweckung des Lazarus

Jesus und Lazarus (c) falco auf Pixabay

Es lag aber einer krank mit Namen Lazarus, von Bethanien, in dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha. (Maria aber war, die den HERRN gesalbt hat mit Salbe und seine Füße getrocknet mit ihrem Haar; deren Bruder, Lazarus, war krank.) Da sandten seine Schwestern zu ihm und ließen ihm sagen: HERR, siehe, den du liebhast, der liegt krank. Da Jesus das hörte, sprach er: Die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus.
Als er nun hörte, dass er krank war, blieb er zwei Tage an dem Ort, da er war.  Darnach spricht er zu seinen Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa ziehen! Seine Jünger sprachen zu ihm: Meister, jenes Mal wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dahin ziehen? Jesus antwortete: Sind nicht des Tages zwölf Stunden? Wer des Tages wandelt, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt. Wer aber des Nachts wandelt, der stößt sich; denn es ist kein Licht in ihm.

Solches sagte er, und darnach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, dass ich ihn auferwecke. Da sprachen seine Jünger: HERR, schläft er, so wird's besser mit ihm. Jesus aber sagte von seinem Tode; sie meinten aber, er redete vom leiblichen Schlaf. Da sagte es ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben; und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dagewesen bin, auf dass ihr glaubt. Aber lasst uns zu ihm ziehen! Da sprach Thomas, der genannt ist Zwilling, zu den Jüngern: Lasst uns mitziehen, dass wir mit ihm sterben!

Da kam Jesus und fand ihn, dass er schon vier Tage im Grabe gelegen hatte. Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, bei fünfzehn Feld Weges; und viele Juden waren zu Martha und Maria gekommen, sie zu trösten über ihren Bruder.

Als Martha nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Martha zu Jesus: HERR, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben! Aber ich weiß auch noch, dass, was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder soll auferstehen. Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am Jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: HERR, ja, ich glaube, dass du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.

Und da sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach: Der Meister ist da und ruft dich. Dieselbe, als sie das hörte, stand sie eilend auf und kam zu ihm. (Denn Jesus war noch nicht in den Flecken gekommen, sondern war noch an dem Ort, da ihm Martha war entgegengekommen.)  Die Juden, die bei ihr im Haus waren und sie trösteten, da sie sahen Maria, dass sie eilend aufstand und hinausging, folgten sie ihr nach und sprachen: Sie geht hin zum Grabe, dass sie daselbst weine.

Als nun Maria kam, da Jesus war, und sah ihn, fiel sie zu seinen Füßen und sprach zu ihm: HERR, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben! Als Jesus sie sah weinen und die Juden auch weinen, die mit ihr kamen, ergrimmte er im Geist und betrübte sich selbst und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: HERR, komm und sieh es!

Und Jesus gingen die Augen über.

Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so liebgehabt! Etliche aber unter ihnen sprachen: Konnte, der den Blinden die Augen aufgetan hat, nicht verschaffen, dass auch dieser nicht stürbe? Da ergrimmte Jesus abermals in sich selbst und kam zum Grabe. Es war aber eine Kluft, und ein Stein daraufgelegt. Jesus sprach: Hebt den Stein ab! Spricht zu ihm Martha, die Schwester des Verstorbenen: HERR, er stinkt schon; denn er ist vier Tage gelegen. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du würdest die Herrlichkeit Gottes sehen? Da hoben sie den Stein ab, da der Verstorbene lag. Jesus aber hob seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Doch ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich's, dass sie glauben, du habest mich gesandt. Da er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen und sein Angesicht verhüllt mit dem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löset ihn auf und lasset ihn gehen! Viele nun der Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.

Predigt von Pfarrer Wolfgang Acht

Merkwürdig!

Im Buch des Propheten hören wir, dass Gott uns aus den Gräbern rufen und uns ein neues Herz schenken will, und im Evangelium das Jesus Lazarus aus dem Grab ruft.

Was hat das miteinander zu tun?  Es geht um eine grundsätzliche Zusage zum Leben, trotz des Todes! Wir sollen vor allem aus der Panik, die uns zurzeit wegen des Corona-Virus bestimmt, zur Gelassenheit ermutigt werden. Zudem können diese Gottesbotschaften dazu beitragen, das Thema Tod nicht  zum Tabuthema zu machen, was ja inzwischen häufig geschieht.

 

Es geht also durchaus um die realen und erdachten Gräber, in die wir vielfach eingeschlossen sind:

  • Da ist die erdrückende weltweite Not und das Elend von Millionen Flüchtlingen.
  • Da sind die Katastrophenmeldungen, die nicht abreißen wollen.
  • Da sind die Kriege, in denen ungeheuerliche Verbrechen geschehen.
  • Da sind die vielen Todkranken zu nennen, die uns trotz fast unbegrenzter medizinischer Möglichkeiten hilflos machen.
  • Da ist der tausendfache Missbrauch in Familien, Vereinen, selbst durch Kleriker – ein ungeheures Verbrechen.

„Warum werden wir denn dabei nicht von Gott herausgerufen?“ so könnte man fragen. Das ist eine vordergründige Frage, die an dem vorbei geht, was hier in der Schrift gemeint ist. Wir sollen aufgerufen werden, selbst aus den Gräbern herauszurufen. Wie das, fragen wir? Schauen wir mal, was gemeint ist:

 

  1. Bei Ezechiel sind die Gräber der Unfreiheit und Unterdrückung gemeint, aus denen Gott sein Volk herausholen und befreien will. Er holt es aus der Sklaverei, die sich Menschen gegenseitig antun und bringt sie zum fruchtbaren Ackerboden, also in lebenswerte Bedingungen; in das Land der Verheißung! Gott hatte seine schöpferische Kraft gezeigt, als er sein Volk aus Ägypten befreite und in das gelobte Land führte. Daran will Ezechiel erinnern.

Es geht um die Erinnerung an die Großtaten Gottes. Es sollte immer eine Erinnerungskultur gepflegt werden, um sich an gelungenes Leben und viele Begegnungen zu erinnern, die dankbar gemacht haben und weiter machen. Deshalb sollten wir uns immer intensiv an das Leben Jesu erinnern und dankbar sein, dass Gott  uns in ihm bleibend begegnen will.

 

  1. Im Evangelium hören wir, dass Jesus Lazarus beim Namen ruft und ihn damit aus dem Grab befreit. Wir werden von Anfang an beim Namen gerufen und es tut uns gut, wenn der Name von Menschen gesagt wird, die uns lieben!  Der  Name begleitet uns ein Leben lang und gehört zu unserer Person. Wir reagieren auf ihn automatisch mit Aufmerksamkeit und Interesse.

Deshalb ist es gut, dass sie die Namen der Menschen, die gestorben sind auf den Grabstein schreiben, um sie am Grab noch mit ihrem Namen anzusprechen.

Das ist leider inzwischen nicht mehr selbstverständlich, weil es immer mehr sogenannte anonyme Bestattungen gibt. Die Namen werden gleichsam ausgelöscht und mit ihnen vielfach die Erinnerung. Das ist dann ein doppelter Abschied aus der bisherigen Lebensgemeinschaft.

Jesus ruft den toten Lazarus , um den er trauert und weint, bei seinem Namen; er ruft ihn gleichsam in die bisherige Lebensgemeinschaft zurück. Lazarus kommt wieder vor, trotz seines Todes!  

Ist es denn nicht wirklich so, dass es gut tut und die Lebensfreude steigert, wenn ich liebevoll beim Namen gerufen werde? Ich atme auf, ich fühle mich an- und aufgenommen. Die Lebensgeister werden geweckt. So kehren auch Tote  wieder in mein Leben zurück in der lebendigen Erinnerung. Deshalb ist es in diesem Zusammenhang wichtig, sich daran zu erinnern, dass Gott uns von Anfang an beim Namen ruft und es gewiss ganz intensiv wiederholt, wenn er uns nach dem Tod zu sich ruft und uns seine Nähe endgültig schenkt!

 

  1. Noch ein Aspekt des Evangeliums ist interessant. Es heißt, Lazarus sei mit Leinentüchern (Grabtüchern) gebunden aus dem Grab gekommen. Man solle sie ihm abnehmen, sagt Jesus. Sind wir in unserem Leben nicht oft negativ gebunden an Dinge die uns die Freiheit nehmen? Wurden wir zur Geburt entbunden, so sollten wir in unserem Leben einander helfen, uns von falschen Bindungen und Zwängen zu befreien. Denn sonst sind wir schon tot, bevor wir sterben.

 

Geht das nicht am Thema Totenerweckung vorbei?

Nein, es ist der Grundgestus, den Gott seinem Volk, den Jesus Lazarus angeboten und ermöglicht hat! In jedem Gottesdienst werden uns diese Befreiung und dieses Entgegenkommen geschenkt. Es belebt uns.

Er ruft uns aus den vielen Toden, die wir uns selbst oder einander antun. Danken wir Gott, dass er uns  in jedem Gottesdienst seine Zusage und Hingabe in Christus anbietet, und danken wir ihm, dass er uns von Anfang an beim Namen gerufen hat und es auch weiterhin, selbst über den Tod hinaus, tut.

So verstehen wir vielleicht jetzt besser, warum Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird nicht sterben.“ Hier werden Leben und Tod nicht getrennt, sondern gehen eine tiefe Verbindung ein.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, Du bist die Auferstehung und das Leben. Deshalb kommen wir vertrauensvoll zu Dir und bitten Dich:

  • Erleuchte die Kirche und unsere Gemeinde mit deinem Geist, damit sie die Botschaft deines Lebens in die Welt tragen und glaubwürdig leben. Christus, höre uns…
  • Festige in uns den Glauben an dein Treue und Gemeinschaft, damit wir geschwisterlich miteinander leben und den Glauben überzeugendes Handeln weitergeben.
  • Schenke den Kindern die zum ersten Mal die Kommunion empfangen und den Jugendlichen, die gefirmt werden, die Freude an Dir.
  • Mach alle Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik bereit, nicht nur auf ihren Vorteil und die Umfragen zu schauen, sondern zum Wohl der Gemeinschaft tätig zu sein.
  • Gib den Menschen in den Katastrophengebieten, aber auch in den Konfliktgebieten in aller Welt die Kraft, weiter mit Entschiedenheit für einen Neuaufbau und für den Frieden einzutreten.
  • Gib den Kranken, Armen und Alleinstehenden Menschen zur Seite, die ihnen Ermutigung geben und Beistand schenken.
  • Lass uns gelassen sein in der Zeit allgemeiner Panikmache, uns gegenseitig helfen und vor allem gelassen bleiben.
  • Lass unsere Verstorbenen nun das schauen, was Du uns zugesagt hast und worauf auch wir hin leben dürfen.

Über die Suche nach Gott, Hl. Teresa von Avila

Begib dich auf den Weg und suche Gott, den Herrn, Seine Majestät. Bestaune Seine großen Wunder, preise Ihn für Seine Gnaden, denn Er beschenkt die Menschen so reich, dass Er sich täglich im heiligen Messopfer selbst hingibt. Finde Ihn in dir, denn Er will in dir wohnen, dich zu Seinem lebendigen Tabernakel wandeln. Du darfst Sein lebendiger Tempel sein.

So, wie Er dich wandeln will, sehe auch deinen Nächsten. Dein Nächster soll durch dich, Sein Tabernakel, zum Herrn finden. Das Licht des Herrn möge in dir leuchten, auf dass dein Nächster es erkenne und ebenso für den Herrn entflammt werde. Der Herr wünscht, dass du Ihn in dir beherbergst; Ihn in deinem Nächsten findest und in Seiner ganzen Schöpfung siehst. Stelle dabei die Schöpfung, den Nächsten und dich nicht über Ihn, denn Er ist der Herr und alles kommt aus Ihm im Vater.

Suchen und fragen, hoffen und sehn

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