Kreuze (c) Gerd-Altmann/pixelio.de

Karfreitag

Wir stellen ein Kreuz auf und entzünden eine Kerze.

Zu Beginn beten wir gemeinsam Nr. 5, 2 aus dem Gotteslob

Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

Schriftlesung aus dem Buch Jesaja (Jes 52, 13 – 53,5)

Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein. Wie sich viele über dich entsetzt haben - so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen - , so wird er viele Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt. Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des HERRN - wem wurde er offenbar? Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wort des lebendigen Gottes.

A         Dank sei Gott

270 Kreuz, auf das ich schaue

270 Kreuz, auf das ich schaue

Gotteslobvideo (GL 270): Kreuz, auf das ich schaue

Schriftlesung aus der Passion nach Johannes (Joh 19, 16b - 30)

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Sie übernahmen Jesus. Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Predigt von Pfarrer Wolfgang Acht

Warum hängen wir Kreuze auf?

Provoziert das nicht? Immerhin gibt es zunehmenden Rechtsstreit um dieses Zeichen bis zu höchsten Gerichten. Als Gegenreaktion hat man im Bundesstaat Bayern zur Pflicht gemacht, in allen öffentlichen Häusern ein Kreuz aufzuhängen, nicht verschämt, sondern deutlich sichtbar. Aber, kann man denn ein Kreuz – ein Schandzeichen – aufhängen und verehren?

Zurzeit hat es, so liest und hört man, seine Zeichenhaftigkeit und Selbstverständlichkeit verloren. Auch für uns? Hängen wir es auch ab, wie es in vielen öffentlichen Räumen zunehmend geschieht? Oder hängen wir es ab, weil wir doch so tolerant gegenüber anderen Religionen sein wollen. Was aber ist das für eine Toleranz, wenn gleichzeitig andere Religionsgemeinschaften ihre religiösen Zeichen öffentlich tragen und sogar dafür kämpfen, es tun zu dürfen?

Vielleicht sollten wir uns jetzt neu diesem Zeichen nähern:

Schon in der frühen Christenheit galt das Kreuz als Skandalzeichen. Dennoch wurde es als einfaches Zeichen auf die Grabplatte in den Katakomben geritzt, aber nie mit Korpus. Das erste, mit Korpus dargestellte Zeichen, war ein Spottzeichen der Gegner mit einem Eselskopf. (2. Jh.). Es war im frühen Christentum nicht selbstverständlich, vom gekreuzigten Retter und Erlöser zu sprechen. Sie stießen auf Unverständnis und sogar Abwehr, wie man es aus dem 1. Korintherbrief entnehmen kann (1 Korinther 2, 1 – 5). Paulus schreibt:

Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch.

Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.

Auch im Evangelium lesen wir, dass die Jünger erschraken, als Jesus ihnen erklärte, dass er sterben müsse. Petrus protestiert sogar, als Jesus von seinem Leiden und Tod sprach (Matthäus 16, 21 – 23):

Jesus erklärte seinen Jüngern, er müsse nach Jerusalem gehen und werde von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden müssen; er werde getötet werden, aber am dritten Tag auferstehen.

Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!

Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Wie also umgehen mit dem Zeichen und sich ihm nähern, auch heute?

 

Zugänge: (nach jedem Impuls eine kurze Stille halten)

 

  • Ein Kind sagte mir einmal, als ich mit ihm vor dem Bild des Apostel Andreas im Dom zu Aachen stand: Sag mir, warum ist der denn durchgestrichen? Mir wurde in dem Moment klar, wie recht das Kind hatte. Jesus, Andreas und Petrus wurden gleichsam durchgestrichen, weil sie nicht ins Bild der antiken Vorstellungen passten und sich weigerten, dem Kaiser und den Göttern zu opfern.

Ist uns noch bewusst, dass wir zur durchkreuzten Gemeinschaft gehören? Immerhin stellen uns immer mehr Menschen unseren Glauben an einen Gekreuzigten in Frage. Doch es bleibt dabei, dass Jesus uns auch heute dazu auffordert: „Wer mein Kreuz nicht trägt, kann mein Jünger nicht sein!“

  • Beim Kreuzweg hören wir bei der zweiten Station: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.“ Interessanterweise finden wir diese Aussage bei den Synoptikern nicht, die berichten nur davon, dass Simon von Zyrene das Kreuz trägt. Nur Johannes spricht von Jesus, dem Kreuzträger. Ihm wird also das Kreuz aufgebürdet, so dass er mehrmals zusammenbricht.

 

  • Er nahm die Kreuzigung auf sich um zu zeigen, dass er und Gott bereit sind, mit uns aus Liebe die Solidarität bis in Leid und Tod lebt. Das kann uns helfen, unser / unsere Kreuz/e annehmen, unsere Pläne durchkreuzen zu lassen und mit ihm auch darin eins zu werden.

 

Wer das Kreuz annimmt, ist hineingenommen in die Liebe und Erlösung durch Gott in Jesus Christus. Verehren wir also im Kreuz den Erlöser, der sich liebend mit offenen Armen für uns hingibt.

 

Impuls: Das Wort vom Kreuz

Wer mein Jünger sein will,
der muss täglich sein Kreuz
auf sich nehmen und
mir nachfolgen.

Wer zu mir gehören
und mit mir gehen will
den Weg des Friedens
der grenzenlosen Liebe
auch zu den Feinden,

der muss auf sich nehmen
die Konsequenzen
die das fordert
die Konflikte
die das mit sich bringt
zwangsläufig.

 

Konflikt und Konsequenz,
so könnte man das Wort
vom Kreuz auch übersetzen.

Wer das auf sich nimmt,
Konflikt und Konsequenz,
der nimmt sein Kreuz
auf sich und ist
mein Jünger.

(Lothar Zenetti, in: 7 Farben hat das Licht)

 

Wir berühren das Kreuz und sprechen für uns oder für alle vernehmbar eine Bitte aus.

 

Diese Bitten, aber auch all die anderen Bitten, die wir in unseren Herzen tragen, können wir in dem Gebet zusammenfassen, das Herr selbst uns zu beten gelehrt hat:

Vaterunser

Nun wollen wir gemeinsam das Gebet sprechen, das der Herr selbst uns zu beten gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen vor Gefahren.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke des Bösen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.

Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

Und so sprechen wir gemeinsam: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Holz auf Jesu Schulter

Holz auf Jesu Schulter