Strohkrippe (c) Ina Germes-Dohmen

Heiligabend für Familien

Fürchtet euch nicht

Von Ina Germes-Dohmen

Fürchtet euch nicht – die Botschaft der Engel an die Hirten ist für mich in diesem Jahr die wichtigste Aussage des Weihnachtsevangeliums.

Fürchtet euch nicht –

das sagen die Engel den Hirten, den einfachen Menschen, die nicht verstehen, was da plötzlich auf ihren Feldern passiert, die nicht sofort erkennen können, dass das Geschehen dieser Nacht die Welt umkrempeln wird – und die es mit der Angst zu tun bekommen.

Fürchtet euch nicht! Das sagen sie auch uns, in all unserer Furcht und Sorge darum, wie das Leben in unserem Land, in der Welt weitergehen soll,

sie sagen es uns, wenn wir uns sorgen, wie wir verantwortlich handeln können in dieser Zeit.

Sie sagen es uns, wenn die Sorge um die eigene Gesundheit und die der Familie, um die berufliche Existenz uns nicht schlafen lässt.

Fürchtet euch nicht, wenn nun auch zu Weihnachten so vieles anders läuft, wenn es kein „Alle Jahre wieder“ gibt, sondern neue Wege gesucht werden müssen, miteinander zu sein, neue Wege, sich Nähe und Liebe zu schenken. Fürchtet euch nicht, auch neue Wege können gut sein, vielleicht sogar besser als ausgetretene Pfade.

Fürchte dich nicht, sagen die Engel zu mir. Sie sagen kein dahingesagtes „Alles wird gut“, sie wollen mir Beistand bieten und mir den Mut geben, die Situation auszuhalten, aber auch Neues anzupacken, Altes neu anzugehen oder auch zurückzulassen.

Leichter gesagt als getan, wie soll ich mich denn nicht fürchten und sorgen, fragt dann eine Stimme in mir.

Weil die Engel, die Boten Gottes, noch mehr verkünden: Sie bringen uns eine große Freude, sie verkünden, dass der Retter da ist. „Eine große Freude“, das ist mehr als nur ein bisschen Fröhlichkeit, mehr als Jinglebells und gute Laune. Diese göttliche Freude geht tiefer, sie erfasst mich ganz, sie rührt mich an. Viele kennen dieses Gefühl, das uns wärmt und von innen heraus froh macht, anrührend wie die Liebe eines Menschen. Allerdings ist diese Freude eine verletzliche Pflanze, die sich schnell zurückzieht, wenn ich sie mit banalem Kleinkram zumülle. 

Der Retter der hl. Nacht ist ja auch ein spezieller, kein strahlender Superheld, sondern ein hilfloses Kind, geboren in der Erbärmlichkeit eines Viehstalls, in Armut und Bedürftigkeit. Seine Eltern einfache, arme Leute, unterwegs, weil ein Machthaber das so haben wollte. Von Romantik und der Holdseligkeit mancher Weihnachtslieder keine Spur. Und dennoch oder gerade aus dieser Einfachheit erwächst für mich die Hoffnung. Die Hoffnung, dass Gott, der sich in diesem Kind offenbart, mir damit ein Zeichen geben will: Gott solidarisiert sich mit den Kleinen, den Einfachen, ja, den Elenden. Er ist kein Gott der Erfolgverwöhnten, der Gewinner und Wichtigen, sondern er kommt auch in unseren normalen Alltag, zu unserer Angst und Sorge mit oder ohne Corona. Fürchtet euch nicht, Gott hat Verständnis, das Kind in der Krippe reicht mir die Hand und hilft mir durch die Angst. Aber es geht dabei ungewohnte, befremdliche Wege, von Beginn an, seit dieser Nacht im Stall. Weder romantische Verklärung noch kitschige Gefühlsduselei haben da Platz, sondern die nüchterne Erkenntnis, dass die wesentlichen Dinge unseres Lebens in der Einfachheit begründet sind: liebende Zuwendung, ein achtsamer Umgang mit den Menschen und Hilfe, da wo es Not tut. Geld und Macht spielen da keine Rolle.

Die Hirten waren offen für die Botschaft der Engel, sie brachen aus ihrem Alltag aus, ließen ihre Herden im Stich und machten sich auf zum Kind im Stall. Sie hatten verstanden, was jetzt wichtig war. Das ist mein Wunsch für dieses Weihnachtsfest: zu erkennen, was wirklich zählt und keine Angst zu haben. Fürchtet euch nicht, ich verkünde euch eine große Freude – eine tröstliche Botschaft.

 

 

 

Für den Aufbau dieser Strohballenkrippe, die den Menschen auf dem weihnachtlichen Spaziergang etwas Freude machen will, danken wir herzlich den Mitgliedern der St. Marien Schützenbruderschaft Hüskes Krone Schmalbroich 1650 e.V.