Auf großes Interesse stieß die Gemeindeversammlung in St. Marien. Zahlreiche Gemeindemitglieder nutzten die Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand des Prozesses zur zukünftigen Ausrichtung der Kirchengemeinde zu informieren und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen.
Zu Beginn berichtete Gemeindereferent Andreas Bodenbenner, was seit der Gemeindeversammlung im Februar geschehen ist. Die zahlreichen Anregungen und Fragen von der damaligen Pinnwand seien ausgewertet und auf der Internetseite beantwortet worden. Über den Pfarrbrief und die Homepage werde kontinuierlich über den Prozess informiert. Zudem habe der Kirchenvorstand den Grundsatzbeschluss gefasst, St. Marien zur geistlichen Mitte in Kempen weiterzuentwickeln. Gespräche mit Fördervereinen fanden ebenso statt wie Bedarfsabfragen bei Chören, Gruppen und weiteren Aktiven der Gemeinde. Deren Auswertung läuft derzeit noch. Außerdem wurde eine Machbarkeitsstudie für St. Marien in Auftrag gegeben. Der Kirchenvorstand hat darüber hinaus beschlossen, auch für die Burse eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.
Anschließend wurde erläutert, warum St. Marien künftig Heimat für alle Gemeindemitglieder werden soll. Dr. Thomas Eicker beleuchtete die pastorale Perspektive. Er verwies auf die seit Jahren sinkenden Gottesdienstbesucherzahlen und den zunehmenden Priestermangel. Gottesdienst lebe von Gemeinschaft, und diese könne nur entstehen, wenn Menschen wieder stärker an einem Ort zusammenkommen. „Wir können aus der Not eine Tugend machen“, sagte Propst Eicker. Ziel sei es, in St. Marien eine geistliche Heimat für alle Generationen, für Menschen aus der ganzen Stadt und für die vielen Gäste zu schaffen.
Die finanziellen Rahmenbedingungen stellte Hans-Jürgen Beulertz vom Kirchenvorstand dar. Sinkende Kirchensteuereinnahmen, veränderte Förderbedingungen des Bistums und hohe laufende Unterhaltungskosten stellten die Kirchengemeinde vor große Herausforderungen. Hinzu komme der Sanierungsbedarf an den Gebäuden von St. Josef, Christ König und der Burse. Vor diesem Hintergrund müsse verantwortungsvoll über die künftige Nutzung der vorhandenen Gebäude entschieden werden.
Warum die Wahl auf St. Marien fällt, erläuterte Helmut Nienhaus von der Projektgruppe "Kirche für Kempen". Die denkmalgeschützte Propsteikirche werde dauerhaft im Eigentum der Gemeinde bleiben und besitze eine herausragende historische sowie städtebauliche Bedeutung für Kempen. Gleichzeitig sei sie ein zentral gelegener Treffpunkt für Gemeinde und Stadtgesellschaft. Da die Gemeinde die Kosten für St. Marien unabhängig von anderen Entscheidungen tragen müsse, liege es nahe, diesen Ort als geistliches Zentrum weiterzuentwickeln.
Für die Kirchen St. Josef und Christ König werde parallel nach neuen Trägern und sinnvollen und würdigen Umnutzungsmöglichkeiten gesucht. Noch bestehe die Möglichkeit, diesen Prozess aktiv zu gestalten und Partner zu finden, die den Vorstellungen der Gemeinde entsprechen.
Erste Gespräche laufen bereits, für konkrete Aussagen sei es jedoch noch zu früh.
Im weiteren Teil der Versammlung wurden erste Ideen für die bauliche Weiterentwicklung von St. Marien und der Burse vorgestellt. Dabei machten die Verantwortlichen ausdrücklich deutlich, dass es sich um sehr frühe Überlegungen handelt.
Für St. Marien läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie – die erste Vorplanung liegt vor (hier klicken), fertige Pläne sind dies aber nocht nicht.
Auch für die Burse soll eine solche Studie vorbereitet werden. Zurzeit liegt zur Burse eine Grundlagenstudie vor (hier klicken).
Das Ehepaar Dewey vom Architekturbüro Dewey + Blohm-Schröder präsentierte verschiedene Denkansätze, die im Rahmen der Machbarkeitsstudie untersucht werden sollen. Vorgesehen ist unter anderem, die Podeste unter den Kirchenbänken zurückzubauen und durch ein neues Beleuchtungskonzept den Kirchenraum besser zur Geltung zu bringen. Mobile Bestuhlung könnte künftig unterschiedliche Gottesdienstformen und Veranstaltungen ermöglichen. Abtrennbare Bereiche sollen Raum für Kinderkirche, kleinere Gesprächsrunden oder geschützte Begegnungen, etwa bei Beichtgesprächen, bieten. Auch ein kleiner Cafébereich gehört zu den Ideen.
Dazu wurden erste Überlegungen für eine Sanierung und Weiterentwicklung des Pfarrzentrums Burse vorgestellt. Es handelt sich lediglich um eine Grundlagenstudie. Im Erdgeschoss wäre ein großer Saal mit Ausgängen auf den Vorplatz möglich. Zudem entstehen ausreichend viele Gruppenräume. Ein Aufzug sorgt für eine barrierefreie Erschließung. Es besteht die Idee, einen zweiten Rettungsweg über das benachbarte Gebäude (An St. Marien 16) zu realisieren.
In der anschließenden Fragerunde nutzten Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, ihre Gedanken, Fragen und Anregungen einzubringen.
Zum Abschluss betonte Propst Eicker, dass der Prozess weiterhin offen gestaltet werde. In den kommenden Monaten werde intensiv darüber gesprochen, was sinnvoll, wünschenswert und finanziell machbar sei. Gleichzeitig lud er alle Gemeindemitglieder ein, sich mit ihren Ideen einzubringen: „Es wird spannend werden, es wird kreativ werden. Darauf freue ich mich.“
Die erste sichtbarere Veränderung wird die Zusammenführung der Sonntagsgottesdienste in St. Marien sein. Dies soll im ersten Quartal 2027 geschehen.