Kirche St. Marien wird zentraler Gottesdienstort

Regenbogenfahne an St. Marien (c) Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt
Datum:
30. April 2026
Von:
Online-Redaktion

Rund zwei Jahre wurde das Projekt „Kirche in Kempen“ von der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Geburt vorbereitet. Jetzt hat es einen entscheidenden Punkt erreicht: Der Kirchenvorstand hat beschlossen, dass die Propsteikirche St. Marien im Zentrum Kempens zentraler Gottesdienstort für ganz Kempen wird. Die historische Kirche – sie wird mit der Nummer 1 in der Denkmalliste der Stadt Kempen geführt – soll im Inneren so umgestaltet werden, dass ein zeitgemäßer Ort der Begegnung, des Glaubens und des Miteinanders und Lebens in der Stadt Kempen entsteht. Parallel dazu soll aus dem ebenfalls denkmalgeschützten Pfarrzentrum Burse, dem ersten Kempener Gymnasium, ein modernes barrierefreies Pfarrheim entstehen.

Mit diesem Schritt reagiert die Kirchengemeinde St. Mariä Geburt auf sich radikal verändernde Rahmenbedingungen. Die nachlassende Kirchenbindung in der Gesellschaft führt zu deutlich weniger Gottesdienstbesuchern. So hat sich die Zahl der Gottesdienstbesucher in ganz Kempen von 2.400 pro Woche im Jahr 2000 auf aktuell 200 bis 300 pro Woche reduziert. Und auch die Zahl der Priester und Laien, die Gottesdienste leiten, wird immer geringer. Dadurch wird es immer schwieriger, eine Vielzahl von Gottesdiensten anbieten zu können.

Parallel dazu verschärft sich durch den demographischen Wandel und durch Kirchenaustritte die finanzielle Situation der Kirchen – überregional wie regional gleichermaßen. Das Bistum Aachen geht laut Geschäftsbericht 2024 von einer Halbierung der Finanzkraft der Kirchen in Deutschland in den kommenden zwei Jahrzehnten aus. Das hat zur Folge, dass auch vor Ort gespart werden muss. Vor Ort umfasst aber nicht mehr allein die örtliche Gemeinde, sondern seit der Neustrukturierung des Bistums Aachen ist auch eine Betrachtung der Situation aus der Sicht des Pastoralen Raums Kempen/Tönisvorst erforderlich.

Beim sowieso schon knappen Personal und beim pastoralen Angebot zu sparen, wäre kontraproduktiv. Der Kontakt zu den Menschen würde noch stärker verloren gehen, als es die gesellschaftlichen Entwicklungen bereits jetzt vorgeben. Daher kommen bereits seit Jahren im Rahmen des vom Bistum initiierten Kirchlichen Immobilienmanagements, bekannt als KIM-Prozess, die Immoblien verstärkt in den Blick. Die Situation vor Ort: Mariä Geburt ist im Pastoralen Raum die einzige Gemeinde, die drei Kirchen vorhält – St. Marien, St. Josef und Christ König. Und die Unterhaltskosten für diese drei Standorte haben – unter anderem durch Änderungen bei den Zuschüssen aus dem Bistum – eine Größenordnung erreicht, dass sie mittelfristig nicht mehr tragbar sind.

Diese Rahmenbedingungen haben den Kirchenvorstand zu der Entscheidung veranlasst, St. Marien zum zentralen Gottesdienstort zu machen und für die Kirchen und die zugehörigen Gebäude der Gemeinden St. Josef und Christ König Träger oder Investoren zu suchen, welche die Gebäude künftig für ihre Projekte nutzen.

Auf der Grundlage dieses Beschlusses werden nun von einem auf Kirchengebäude spezialisierten Architekturbüro Konzepte für die Innenraumgestaltung von St. Marien und für einen Umbau der Burse erstellt. Diese fließen in die weiteren Beratungen der Gremien ein. Ziel ist es, für alle bestehenden Gruppen, Chöre und anderen Aktivitäten ein Umfeld zu schaffen, das weitgehend allen Wünschen gerecht wird. Denn niemand soll auf der Strecke bleiben, wenn sich die Gemeinde St. Marien verantwortungsbewusst und finanzierbar auf den Weg macht, ihren Auftrag, Gottes Nähe und Liebe zu den Menschen erfahrbar zu machen, zeitgemäß erfüllen zu können.