Am 6. März 1976 wurde Pfarrer Wolfgang Acht in Aachen zum Priester geweiht. Das jährt sich nun zum 50. Mal. Sein Goldenes Priesterjubiläum wollen wir am Sonntag, 8. März um 9.30 Uhr in St. Marien feiern. Es wird sich ein kleiner Empfang anschließen. In einem Interview berichtet er von seiner Vorliebe für die Kunst und das Reisen, die Bedeutung des Priesteramtes, seine Zeit in Aachen und Niederrhein und noch einiges mehr.
Von Ihrer Vorliebe für sakrale Kunst können hier vor Ort viele Menschen profitieren, Sie machen Führungen, schreiben Text für Kirchenführer. Haben Sie in der Propsteikirche ein Lieblingskunstwerk?
Das ist schwierig, aber ich würde sagen der Marienleuchter, der quasi die große Frau der Offenbarung darstellt, dann die Anna selbdritt, die Figur, die vorne rechts unten steht. Ein tolles Werk von 1493. Und nicht zu vergessen die Marienfigur in der Kapelle, die ehemalige Wallfahrtsfigur. Dann sind da noch die Antwerpener Altäre, die sind kunstgeschichtlich interessant, aber für mich inhaltlich, theologisch, spirituell nicht so wichtig. Aber die Kirche selbst ist eine Botschaft. Denn mein Ziel ist nicht Kunstgeschichte für sich, sondern aus diesen Figuren und Altären die Botschaft zu hören und zu lesen. Die ganze Kirche ist ohne die Botschaft nicht verständlich. Acht Säulen im Mittelschiff, acht Säulen im Umgang des Chores, acht Fenster ursprünglich. Acht ist die Zahl der Auferstehung. Die Kirche ist geostet, in Richtung Jerusalem, dem Auferstehungsort. Und der Turm ist ein Zeichen des Wehrens gegen das Böse. Bei Kirchenführungen ist es mir immer wichtig, diese Botschaften deutlich zu machen.
Wie sind Sie zu Ihrem Interesse für die Kunst gekommen?
Das fing in der Volksschule an. Meine Biografie ist ziemlich durcheinander. Ich war fünf Jahre in Düsseldorf, dann kam ich erst nach Wachtendonk und dann schließlich nach Oedt. Und dann ging ich nach Geldern-Baersdonk. Dort war ich vom fünften bis achten Schuljahr und dieser Lehrer Sieben, ihm verdanke ich unglaublich viel, der hat den unruhigen Wolfgang damit beschäftigt, dass er sich mit Bildern auseinandersetzen sollte. Das habe ich nie verloren. Ich habe keine Kunstgeschichte studiert, sondern ich habe Kunst gelernt als Botschaft. Ich bin Theologe und Philosoph.
Wie ging es für Sie dann weiter?
Dieser wunderbare Lehrer hat mir dann gesagt: „Wolfgang, du solltest einen Beruf erlernen.“ Und dann habe ich ihn gefragt: „Was mache ich mit meinem Gefühl, berufen zu sein?“
Dieses Gefühl war bei Ihnen damals schon vorhanden?
Ja. Die Idee Priester zu werden, liegt daran, dass ich in einem Kaplan- und Pfarrerhaushalt groß geworden bin. Aber ich bin dann erst einmal zur Handelsschule nach Viersen gegangen und habe dann eine Bankkaufmannslehre gemacht.
Dann folgte aber doch noch die Berufung.
1965 ging ich nach Mainz in das Ketteler-Kolleg. 1970 konnte ich mein Abitur erfolgreich meistern. Jetzt war klar, dass ich mich im Bistum Aachen anmeldete, um als Kandidat zur Priesterweihe angenommen zu werden. Ich konnte dann mit Hilfe meines Heimatpfarrers Kuno Zipp in Oedt erreichen, dass ich anstatt nach Bonn, nach Frankfurt in die Jesuiten-Hochschule St. Georgen gehen konnte. Da habe ich durch das Philosophie- und Theologiestudium enorme, auch sehr intensiver spirituelle Erfahrungen machen können und meinen Horizont in Fragen der Philosophie, der Theologie (vor allem Bibelwissenschaft), aber auch Liturgie erweitern. Ich bin da grundsätzlich geprägt worden, sodass ich in den Grundvollzügen meines Dienstes davon noch profitiere. Darüber hinaus habe ich auch etwas Psychologie kennenlernen können und später noch parallel zu meinem Dienst als Pfarrer in Aachen, eine Gesprächsbegleitungs-Fortbildung von drei Jahren gemacht. 1975 ging es dann nach Aachen ins Priesterseminar. Im Mai wurde ich schon von Weihbischof Dr. Dicke, in der Heimatkirche St. Vitus in Oedt zum Diakon geweiht. Schließlich wurde ich am 6. März 1976 im Aachener Dom zum Priester geweiht.
Was hat die Priesterweihe für Sie bedeutet?
Es gibt drei Erfahrungen, die mich daran erinnern, was letztlich mit dem Priesteramt gemeint ist: Auf dem Boden liegend vor dem Altar wurde mir bewusst, dass ich vom Gebet und der Unterstützung derer lebte und weiter leben kann, die für mich beteten, die mich förderten. Die Weihe vollzieht sich still, ohne Worte. Diese Handauflegung sagte mir, dass die Kirche von Aachen mir traut und dieser Bischof meinen Wunsch und meine Berufung als echt akzeptiert. Dann die Übergabe von Hostienschale und Kelch mit den Worten: Nimm hin die Gabe des Volkes, für die Feier des Opfers, bedenke was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes. Mehr und intensiver kann es nicht benannt werden, worin der Dienst bestehen soll.
Dann folgte auf die Theorie die Praxis.
Ich wurde dann Kaplan in Krefeld-Bockum. Schon nach kurzer Zeit wurde die Bitte des Bischofs, vom Generalvikar vorgetragen, dass ich Religionslehrer am Albert-Magnus-Gymnasium werden solle. Es hat sich für mich als eine wichtige Lebensphase im Nachhinein herausgestellt, ging es doch im Wesentlichen darum, alles Wissenswerte über Theologie, jetzt angemessen an Schüler zu vermitteln und ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst zu einem verantwortlichen Verhalten in ihrem religiösen Leben zu finden. Bis heute bin ich noch mit über 20 ehemaligen Schülern gut verbunden. Danach wurde ich Diözesanjugendseelsorger. Dabei lernte ich die Diözese gut kennen, ich war viel in NRW und bundesweit bei Treffen mit den Kollegen im gleichen Dienst unterwegs.
Dann wurden Sie 1989 Pfarrer in Aachen.
Ich wurde schließlich amtsmüde und bat den Bischof, doch mal zu schauen, ob es nicht einen anderen Bereich gäbe, wo ich seelsorglich tätig werden könnte. Es ergab sich aufgrund eines plötzlichen Todes des Pfarrers von St. Jakob in Aachen, dass er mich bat, dessen Nachfolge anzutreten. Daraus wurden schließlich 21 Jahre. Alles aufzulisten, was ich dort erlebet, wäre hier zu weitgehend. Schön war, dass sich parallel zu meinem Dienst auch geschichtlich und in der Betreuung der Kunstschätze, oder in der Ordnung eines brachliegenden Archives viele Möglichkeiten fand. Darüber hinaus habe ich im Bereich der Kolumbien-Partnerschaft des Bistums Aachen mit der Kirche in Kolumbien viel mitgearbeitet und eine eigene Partnerschaft von St. Jakob mit einer Gemeinde im mittleren Kolumbien, herstellen, die auch zu einem eigenen Besuch in Kolumbien führte. Noch heute lebt ein Laienmitarbeiter mit seiner Familie in Kolumbien, mit dem ich weiter in Kontakt bin.
Reisen Sie generell gerne?
Ja, ich habe immer gerne Gruppen auf Reisen begleitet. So habe ich unter anderem Reisen nach Israel, Wallfahrten nach Santiago de Compostela, Lourdes, einmal auch Fatima unternommen. Eine besondere Liebe habe ich zu Italien, bin in die Toskana und nach Umbrien gereist und insgesamt 20-mal nach Rom, wo ich immer wieder mit Freundeskreisen oder Gruppen war und die Führungen selbst vornahm. Rom kenne ich inzwischen so gut, dass ich teilweise gar nicht mehr ins Skript schauen muss, um Kirchen und antike Stätten oder Kunstwerke zu erklären.
Was hat Ihnen in der Arbeit als Pfarrer in Aachen am meisten Spaß gemacht da?
Am meisten hat es mir natürlich Spaß gemacht, zu predigen, die Gespräche und die Zusammenführungen. Die Administration, die Leitung war mitunter sehr anstrengend, aber ich hatte das große Glück, einen hervorragenden Rendanten zu haben.
Nicht nur in Aachen, sondern auch hier im Pastoralen Raum Kempen/Tönisvorst schätzen die Menschen Ihre Predigten. Was meinen Sie, woran das liegt?
Weil ich scheinbar so leidenschaftlich bin. Ich höre oft, ich soll langsamer machen. Aber dann packt mich die Leidenschaft schon wieder.
Wie bewahrt man sich das bis ins Alter diese Leidenschaft?
Das hängt damit zusammen, dass ich sehr gute Priester hatte, die mich begleitet haben, und natürlich die Theologen, die unglaublich viel Breite in meinem Hirn geschaffen haben. Nicht, indem ich Auskunft über jede Bibelstelle geben kann, aber indem ich mich ansprechen lasse und die Wirkung des Wortes umsetze.
Motiviert Sie dann der Gedanke, etwas zu bewirken mit den Worten in den Menschen und damit in der Welt?
Ja, und mich motiviert, dass die Kirche in ihrem Kern mehr verstanden und wahrgenommen wird, der ist vielfach vergessen.
Was hat Sie letztlich an den Niederrhein gezogen?
Dem Niederrhein bin ich durch die engsten Freundschaften verbunden. Das ist schon meine Heimat. Mit der Familie Genneper hier in Kempen zum Beispiel bin ich sehr gut befreundet und auch noch mit Freunden aus der Zeit in Dülken, dazu gehört auch Thomas Eicker.
Was gefällt Ihnen hier in Kempen und Tönisvorst?
Hier predigen zu dürfen, das geht immer noch und dass ich im Grunde immer noch das Gefühl habe, man wertschätzt mich. Was will man mehr?
Viele schätzen hier ja auch Ihren Humor.
Es gibt ja die Anekdote von einem Freund, der mit seinen Brüdern meinen Sarg tragen wird, wenn es so weit ist. Er meinte aber: „Ich befürchte eins, dass, wenn wir den Sarg runterlassen, du von innen klopfst und sagst: ‚Ich hab noch einen‘.“
Verraten Sie uns einen Lieblingswitz?
Ein Kurien- Bischof der Klerus-Kongregation bittet die Bischöfe vor der Audienz mit dem Papst, sie mögen doch bitte eine gehorsame Haltung gegenüber dem Papst einhalten. Er weist dafür auf eine Schriftstelle hin, in der es heißt, dass Petrus nach dem Tod Jesu wieder nach Galiläa zurückgegangen sei und zu den Jüngern dort sagt: Ich gehe fischen. Alle hätten daraufhin geantwortet: Wir gehen mit. Das sei, so der Bischof, die wahre Grundhaltung gegenüber dem Papst! Darauf meldet sich ein Bischof im Raum uns sagt zu dem Vorredner, dass er leider den letzten Satz dieses Vorgangs wohl nicht gelesen habe, denn dort stünde klar der Satz: „In dieser Nacht fingen sie nichts!“