Ostergruß der muslimischen Gemeinde zu Kempen

Osterfeuer in der Osternacht auf dem Kirchplatz in Kempen (c) Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt Kempen
Datum:
13. April 2026
Von:
Ulrike Gerards

Zum Osterfest überbrachte die muslimische Gemeinde zu Kempen eine Grußbotschaft an die Christinnen und Christen in Kempen, die in der Osternachtsfeier auf dem Kirchplatz verlesen wurde. Hier kann man die Botschaft noch einmal nachlesen: 

 

Liebe Katholische Kirchgemeinde zu Kempen,

zum Osterfest übermitteln wir Ihnen herzliche Grüße und Segenswünsche. Ostern erinnert die christlichen Gläubigen an die Auferstehung Jesu und an die Kraft der Hoffnung, dass das Leben nicht im Dunkel endet, sondern dass Gott Wege eröffnet, selbst dort, wo Menschen an ihre Grenzen stoßen. Für Muslime hat Jesu, Isa ibn Maryam, Friede sei mit ihm, einen hohen Rang als Gesandter Gottes, als einer der wenigen Propheten, die die Botschaft Gottes in Form einer Offenbarungsschrift empfangen haben. Ehrfurcht vor Gott, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit und die Hinwendung zu den Schwachen gehören zu den moralischen Grundprinzipien, die unsere Religionen in besonderer Weise verbinden. Gerade deshalb verstehen wir als Gläubige Festtage nicht nur als Momente privater Freude oder des Gedenkens, sondern als Gelegenheit, gemeinsame Werte im Alltag sichtbar werden zu lassen. Mitgefühl, Versöhnung, Verlässlichkeit und Verantwortung füreinander.

Besonders bedeutsam ist in diesem Jahr, dass der Beginn der christlichen Fastenzeit und der Beginn Ramadans zeitlich eng zusammenfielen. Wer freiwillig verzichtet, lernt neu, was wesentlich ist und erkennt leichter, was andere täglich entbehren müssen. So kann gemeinsames Fasten auch nebeneinander zu einem verbindenden Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung werden, füreinander da zu sein, die Einsamen nicht zu übersehen, die Bedürftigen nicht zu vergessen und das Herz für den Frieden zu öffnen. In diesen Zeiten werden wir zudem Zeugen, wie grundlegende Normen zivilisierten Zusammenlebens ins Wanken geraten. Gerade jetzt dürfen Religionen nicht zu Stimmen der Spaltung werden. Entsprechend dem koranischen Gebot „Seid standhaft für Gott und legt Zeugnis ab in Gerechtigkeit. Und der Hass auf andere soll Euch nicht dazu verleiten, ungerecht zu sein. Seid gerecht, das steht der Gottesfurcht näher“ (Koran 5:8). Um es mit den Worten von Franz von Assisi, einem Vordenker des Dialogs, zu sagen: „Wo Hass ist, lass mich Liebe säen, wo Unrecht ist, Vergebung.“

Getragen von diesen Gedanken wünschen wir, die muslimische Gemeinde in Kempen, Ihnen frohe und gesegnete Ostern.

Der Dialogbeauftragte der muslimischen Gemeinde zu Kempen

Ilhan Avci